Das Wichtigste in Kürze
- Entscheidend ist, wer als Inhaber der Domain eingetragen ist — nicht, wer sie bezahlt hat.
- Der Auth-Code ist das Passwort deiner Domain. Er gehört nicht in einen Chatverlauf und ist meist nur rund 30 Tage gültig.
- Der teuerste Fehler ist nicht die Website, sondern die E-Mail: Wer die Nameserver wechselt und den MX-Eintrag vergisst, kappt die Post.
- Die neue Seite steht fertig, bevor irgendetwas am DNS geändert wird. Nicht umgekehrt.
Irgendwann kommt bei fast jedem Betrieb der Punkt: Die Agentur meldet sich nicht mehr, Änderungen dauern Wochen, oder die Zusammenarbeit ist schlicht erschöpft. Der Wechsel selbst ist Routine — wenn man die Reihenfolge kennt. Wird sie missachtet, steht der Betrieb ein paar Tage ohne E-Mail da, und das merkt niemand sofort. Genau deshalb steht hier der ganze Ablauf.
Was dir gehört — und was du dir bestätigen lassen solltest
Vor dem ersten technischen Schritt steht eine Bestandsaufnahme. Vier Dinge sind getrennt zu betrachten, und sie gehören nicht automatisch zusammen:
- Die Domain. Entscheidend ist der eingetragene Inhaber. Wer die Rechnung bezahlt, ist nicht automatisch Inhaber — es kommt öfter vor, dass die Agentur eingetragen ist und der Kunde nur zahlt.
- Die Inhalte. Texte und Bilder sind deine. Bei Fotos lohnt der zweite Blick: Wer hat sie gemacht, und welche Nutzungsrechte hat dein Betrieb wirklich?
- Der Webspace. Der Ort, an dem die Dateien liegen — samt Zugangsdaten.
- Die Postfächer. Die hängen an der Domain, liegen aber oft bei einem ganz anderen Anbieter als die Website. Der Punkt, der am häufigsten übersehen wird.
Lass dir den Inhaber schriftlich bestätigen. Das ist keine Misstrauensbekundung, sondern der Punkt, an dem sich entscheidet, ob der Wechsel ein Formular oder ein Rechtsstreit wird. Was sonst noch vor eine Unterschrift gehört, steht in Was passiert nach dem Livegang?.
Der Auth-Code: das Passwort deiner Domain
Um eine Domain zu einem anderen Anbieter zu holen, braucht der neue Anbieter einen Auth-Code — je nach Registrar auch AuthInfo oder EPP-Code genannt. Wer diesen Code hat, kann den Umzug auslösen. Damit ist er faktisch das Passwort deiner Internetadresse.
- Wo du ihn bekommst: im Kundenkonto beim aktuellen Anbieter, sonst auf Anfrage bei der Agentur, die die Domain verwaltet.
- Wie lange er gilt: in der Regel rund 30 Tage. Läuft er ab, forderst du einfach einen neuen an — das ist kein Drama.
- Wie du ihn behandelst: wie ein Passwort. Nicht im Chatverlauf liegen lassen, nicht per Sammel-Mail an fünf Leute.
Zwei Sperrfristen sollte man kennen, weil sie Zeitpläne kippen: Frisch registrierte Domains und solche, bei denen kürzlich der Inhaber geändert wurde, sind eine Zeit lang für Umzüge gesperrt. Wer also erst den Inhaber korrigieren lässt und direkt danach umziehen will, wartet unter Umständen.
Die eine Stelle, an der echter Schaden entsteht: das DNS
Eine Domain ist kein Ordner, sondern ein Verzeichnis von Wegweisern. Website und E-Mail sind darin zwei völlig getrennte Einträge — und sie zeigen oft auf zwei verschiedene Anbieter.
Der Unterschied, an dem alles hängt: Man kann entweder nur den A-Eintrag ändern — dann bleibt die Zone, wo sie ist, und die Post läuft weiter — oder die Nameserver wechseln, dann zieht die ganze Zone um und muss beim neuen Anbieter vollständig neu entstehen. Der zweite Weg ist der saubere, aber nur, wenn vorher jeder Eintrag gesichert wurde.
Die Zone sichern, bevor irgendetwas passiert
Lass dir vom bisherigen Anbieter einen Screenshot oder Export der kompletten DNS-Zone geben — alle Einträge, nicht nur die, die man von außen sieht. Von außen lässt sich eine Zone nämlich nicht vollständig auslesen: Man findet nur, wonach man rät. Eine vergessene Unterdomain — Kamera, WLAN-Portal, ein altes Buchungswidget — fällt beim Wechsel aus und wird erst Wochen später vermisst.
E-Mail zuerst klären, immer
Bei einem Handwerksbetrieb ist eine Website, die einen Tag nicht erreichbar ist, ärgerlich. Eine Mailadresse, die eine Woche still ins Leere läuft, ist teuer — Anfragen kommen an, niemand merkt es, und Absender bekommen nicht einmal eine Fehlermeldung.
Diese Fragen gehören vor jede DNS-Änderung beantwortet:
- Welche Adressen sind im Umlauf? Auch die, die man nicht mehr benutzt: auf Rechnungen, in Portalkonten, in der Signatur eines Mitarbeiters.
- Wo liegen die Postfächer wirklich? Oft nicht dort, wo die Website liegt. Der MX-Eintrag verrät es.
- Wer hat Zugang? Passwörter der Postfächer, nicht nur die des Webspace.
- Ziehen die Postfächer mit um? Wenn ja: Erst die alten Mails sichern. Ein Postfachumzug ist ein eigener Vorgang und gehört nicht auf denselben Tag wie der Websitewechsel.
Die Reihenfolge, die Ärger verhindert
- Neue Seite fertig bauen und auf einer Vorschauadresse abnehmen. Nichts am DNS anfassen.
- Zugänge und Zone einsammeln, Inhaber schriftlich bestätigen lassen.
- Liste aller alten Adressen erstellen und je eine Entsprechung festlegen.
- TTL herabsetzen, ein bis zwei Tage vorher. Die TTL sagt, wie lange andere Server einen Eintrag zwischenspeichern — niedrig gesetzt greift die Umstellung in Minuten statt in Stunden.
- Auth-Code anfordern, Umzug auslösen, dabei MX und SPF unverändert übernehmen.
- Umschalten, dann sofort prüfen: Website, Formular, alle Weiterleitungen, und eine Testmail von außen an die wichtigste Adresse.
- Alte Seite noch erreichbar lassen, ein bis zwei Wochen. Sie kostet nichts und rettet den Notfall.
Schritt 3 ist der, der am häufigsten übersprungen wird — und der, dessen Fehlen erst Monate später auffällt. Warum das so weh tut und wie eine Weiterleitungsliste aussieht, steht in Wann lohnt sich ein Website-Relaunch?.
Wenn die alte Agentur nicht mitspielt
Der unangenehme Fall, und er kommt vor. Wichtig ist, ihn nüchtern zu behandeln:
- Schriftlich anfordern, mit Frist. Auth-Code und Bestätigung des eingetragenen Inhabers.
- Nicht mit Abschalten drohen und nichts eigenmächtig löschen. Das verschlechtert die eigene Position.
- Bist du Inhaber, wende dich an den Registrar. Für .de-Domains ist die zuständige Stelle die DENIC, für internationale Endungen der jeweilige Registrar — beide haben Verfahren für den Fall, dass ein Verwalter blockiert.
- Bist du nicht Inhaber, geht es um einen Inhaberwechsel. Das ist der mühsame Fall und der Punkt, an dem ein Anwalt günstiger ist als weitere Monate Stillstand.
Und die pragmatische Seite: Solange die Domain hängt, kann die neue Seite längst fertig gebaut und geprüft sein. Der Wechsel ist dann eine Umstellung von zehn Minuten, sobald der Code da ist.
Nach dem Umzug: drei Kontrollen
- Verschlüsselung. Nach dem Wechsel braucht die Domain am neuen Ort ein gültiges Zertifikat. Prüfen, ob im Browser das Schloss steht — und ob auch die Adresse mit www sauber lädt.
- Weiterleitungen. Jede alte Adresse einmal aufrufen. Landet sie richtig?
- Post. Eine Testmail von einer fremden Adresse an jedes aktive Postfach, und einmal von dort zurück.
Dazu: Die Seite in der Google Search Console anmelden und die Sitemap einreichen. Und den Eintrag im Google-Unternehmensprofil prüfen, falls sich die Adresse der Website geändert hat — wie das geht, steht in Google-Unternehmensprofil erstellen.
Fazit
Ein Agenturwechsel ist kein technisches Kunststück, sondern eine Frage der Reihenfolge: erst wissen, wem was gehört, dann die Zone sichern, dann die E-Mail klären, dann erst umstellen. Wer das einhält, merkt vom Umzug nichts außer einer neuen Website. Wer die E-Mail vergisst, merkt es als Letzter.
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